Pio wurde als Francesco Forgione am 25. Mai 1887 in Pietrelcina bei Benevent in Süditalien als Kind einer armen Bauernfamilie geboren. Von Anfang an war er schwächlich, aß kaum und hatte mit 15 Jahren bereits Visionen. Mit 16 ging er als Novize zu den Kapuzinern und erhielt den Ordensnamen Pio. 1910 weihte man ihn zum Priester. Er lebte aber wegen seiner schlechten Gesundheit weiter bei den Eltern und kehrte erst 1916 ins Kloster zurück.
Zwei Jahre darauf zeigten sich die Wundmale Christi an seinen Händen und Füßen und blieben bis zu seinem Tode sichtbar, was ihn sehr schnell bekannt machte. Pilger kamen von weither, um seine Messen zu hören, sich Rat zu holen und bei ihm die Beichte abzulegen. Die offizielle Kirche stand dem Phänomen misstrauisch gegenüber, verbot ihm sogar von 1922 bis 1934 die Feier der Messe und das Beantworten von Briefen seiner Anhänger. Pio ließ sich nicht beirren und setzte seine Fähigkeiten weiter in der Seelsorge für Arme und Kranke ein. Ab 1940 wird von Wunderheilungen durch Handauflegen berichtet. Karol Woityla, der spätere Papst Johannes Paul II., besuchte Pio 1947 und soll von ihm erfahren haben, dass er Papst werden, aber auch, dass er Opfer eines Attentats werden würde. 1956 finanzierte Pio aus Spendengeldern den Bau des Krankenhauses »Casa Sollievo della Sofferenza« in San Giovanni Rotondo in Apulien, wo 1994 auch das zweitgrößte christliche Gotteshaus der Welt, die Padre-Pio-Basilika, entstand. Sieben Millionen Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin, doppelt so viele wie nach Lourdes in Frankreich. Kein anderer Heiliger ist in Italien derart populär.
Als Pio am 23. September 1968 starb, galt er vielen Menschen schon lange als Heiliger. Am 2. Mai 1999 sprach ihn Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom selig und bereits am 16. Juni 2002 vor fast einer Million Gläubigen heilig.

Quelle: Herder-Verlag